Making of Poor-But-Passionate Man’s Ü-Wagen
Veröffentlicht: Oktober 11th, 2009 | Autor: mnt.mn | Kategorie: Netz, Straße | 2 Kommentare »
“Das ist vielleicht ein Tag Arbeit.” sagte ich großspurig, als Julia von den Popnutten mich anrief, um zu fragen, ob es technisch machbar sei, den Blickwinkel eines Fotografen bei der Arbeit auf der ARTotale live ins Internet zu streamen und gleichzeitig noch die Bilder seiner Digitalkamera in Echtzeit dort im Web, neben dem Livestream erscheinen zu lassen. Über eine mobile Datenverbindung. Fullscreen. Ohne Budget.
Insgesamt hackten und löteten ledentist, Julia, Just und ich über einen Zeitraum von 4 Wochen für ca. 30 Stunden und gaben unter 100 Euro aus. Ein Asus eee PC 940 HD war schon vorhanden und hat den nötigen Rechenaufwand tatsächlich bewältigt.
Wir brauchten nur noch diese magischen Zutaten:
1. Ein Akku, der 8 Stunden hält…
… und zwar bei voller CPU-Last. Und der möglichst nichts kosten darf. Wir entschieden uns für einen aus dem Modellbau üblichen 12v-Bleiakku mit einer Kapazität von 17000 mAh. Den gibt’s bei Conrad für unter 30 EUR. Nachteil: der Brocken wiegt 6 Kilo, die Just aber wacker in seinem Rucksack geschleppt hat. Nachteil Nummer zwei: Das volle Laden des Akkus braucht offensichtlich länger als 12 Stunden, was wir erst am Tag zwei merkten, an dem der Akku Mittags den Geist aufgab, weil er über Nacht nicht voll geladen war. Glücklicherweise brachte der interne Akku des Netbooks Just noch durch den Nachmittag. Bei einem nächsten Mal würde ich Lithium-Polymer-Akkus wählen, die zwar viel teurer, aber auch wesentlich leichter und schneller zu Laden sind.

2. Eine mobile Datenverbindung mit guter Abdeckung und mind. 600 kbit Upstream.
Die fanden wir günstig bei T-Mobile in Form eines HSUPA-Sticks des Herstellers ZTC, der dort auch als “Black Beauty” beworben wird. Die mitgelieferten Treiber entpuppten sich allerdings als albtraumartig zusammengeschusterte Frickelei. Erst nach stundenlangem Probieren wurde der Stick richtig initialisiert, funktionierte dann aber plötzlich besser als erträumt. Zwischen HSUPA- und lokaler DSL-Verbindung war kaum ein Latenzunterschied auszumachen; die für Streaming und Bildupload reservierten 600 kbit/s Upstream konnte die Verbindung locker bewältigen. Wahrscheinlich hätten wir sogar noch mehr herausholen können, ich wollte jedoch sichergehen, dass die Übertragung auch bei stellenweise schlechtem Empfang funktionieren würde.
3. Videostreaming
Fest stand, dass wir uns keinen eigenen Streaming-Server leisten konnten. Und da wir nicht realistisch abschätzen konnten, wieviel Traffic auf uns zukommen würde, entschieden wir uns für den Flash-basierten Streamingdienst Ustream, der für Privatnutzung kostenlos ist. Mit CSS und jQuery bewegte ich das Flash-Widget dazu, bei verschiedenen Auflösungen die volle Bildschirmgröße ohne störende Ränder auszufüllen. Um eine bessere Videoqualität bei geringerer Bandbreite zu erreichen, verwendete ich den Adobe Flash Media Encoder, der die Daten an Ustream weiterreichte.
4. Leider das passende Betriebssystem: Windows XP
Weil wir so knappe Zeitressourcen hatten und sich HSUPA-Stick und Flash-Zugriff auf USB-Videograbber nach einigen Tests nicht zufriedenstellend auf Ubuntu Netbook Remix liefen, entschied ich mich mit etwas Magenschmerzen für die Verwendung von Windows XP auf dem Netbook, was sich auch wie erhofft als stabile Lösung erwies. Die Übertragung der Bilder von der eingesetzten digitalen SLR, der Canon 1D mit WFT-Modul, war allerdings komplizierter, als ich annahm.
5. Stille Post
Ohne zusätzliche Tools lassen sich unter Windows (im Gegensatz zu Mac OS X) keine Verzeichnisse überwachen und automatische Scripts triggern. Auch die LAN-Anbindung des WFT-Moduls war nicht unproblematisch. Das Modul baut bei jedem Druck auf den Auslöser eine LAN-Verbindung auf, fordert eine neue IP an, loggt sich per FTP auf einem konfigurierten Server ein und lädt ein Bild hoch. Ich installierte auf dem Netbook also einen DHCP- und einen FTP-Server (FileZilla). Dazu das Tool File Watcher, das das “incoming”-Verzeichnis des FTP-Servers überwachte und bei Ankunft neuer Dateien ein Batch-Script (!) ausführte, welches die riesigen Preview-JPGs der Canon per ImageMagick auf die für die Web-Darstellung benötigten 212 Pixel Breite skalierte. Das Zielverzeichnis der Konvertierung wurde widerum vom ziemlich vielseitigen SyncBack SE überwacht (eigentlich eine Backup-Applikation), dass die entstandenen Thumbnails auf ekosystem.org hochlud.

6. Mashup
Auf der Website selbst schließlich liefen mehrere JavaScript-Timer. Einer für den Twitterstream (eine modifizierte Version von TwitStream). Und ein Ajax-Loader, der von einem PHP-Script mit den 3 jeweils neusten Bildern aus dem incoming-Verzeichnis aus dem Server gefüttert wurde. Per jQuery wurden die Bilder immer dann über die alten gefadet, wenn sie komplett nachgeladen waren.
Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten durch Wackelkontakte lief der ganze Apparat über die 4 Tage hinweg meistens erstaunlich gut. Das Wort “Egoshooter” bekam für mich eine ganz neue Bedeutung, und mein Cyborgherz schlug immer ein bisschen höher, wenn ich Justs wilde Fahrrad- und Fahrstuhl-Runs durch Lüneburg live mitverfolgen konnte. Außerdem gabs natürlich jede Menge allerfeinstes Street-Art-Eye-Candy.

Ansehen kann man sich Ergebnisse, Fotos und auch den Sendeapparat auf Justs aktueller Ausstellung in der ATM Gallery, Brunnenstraße 24 in Berlin-Mitte. Die Vernissage ist am 16.10. Kommt vorbei!
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[...] MNT.MN ueber die von uns auf der ARTotale verwendete Hard- und Software zur Live-Uebertragung der Ph… // Werde die Tage auch noch einen kurzen Doku-Clip aus unserem gecaptureten Material zusammenbasteln und spaetestens auf meiner Ausstellung am 16. zeigen. [...]